Integration ins Gemeinwesen

Pakistani präsentierten ein Stück Heimat

„Kultur-Küche“ des AK Asyl brachte den Neuffenern ein Herkunftsland der Asylbewerber näher

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Die „Kultur-Küche“, ins Leben gerufen von den Arbeitsgruppen Alltag und Integration des Arbeitskreises Asyl in Neuffen, hatte im katholischen Gemeindehaus Premiere. Die Asylbewerber sollten Gelegenheit bekommen, mit kulturellen Beiträgen, landestypischen Gerichten und mit Informationen ihre Herkunftsländer den Neuffener Bürgern näher zu bringen. Die Pakistaner machten den Anfang, weitere Veranstaltungen sollen folgen.
Es wurde ein landestypisches Festmahl. Das Buffet präsentierte, was in der Küche des Gemeindehauses in einem guten und fröhlichen Miteinander kreiert worden war. Die Köche servierten stolz ihre Köstlichkeiten, und wer auf die pakistanische Küche „scharf ist“, durfte auch mit gelegentlich schweißtreibenden Leckereien rechnen.


Die liebevoll dekorierten Tische im Saal waren schon zu Beginn voll belegt, es mussten noch zusätzliche Stühle bereitgestellt werden. Nach der Begrüßung durch den AK Asyl und einen Vertreter der Pakistanis – auf Deutsch – füllte die Schlange von über 120 Gästen am Buffet die Teller. Auch viele der syrischen Asylbewerber waren gekommen, und einige hatten auch ihren pakistanischen Freunden beim Vorbereiten geholfen.
Faiz Cheema, ein ehemaliger pakistanischer Mitarbeiter der Firma Bielomatik, übersetzte Gedichte, die die Pakistani vortrugen, ins Deutsche und beschrieb dann in einem Vortrag die Situation in seinem Heimatland, die er gut kennt, da er als Rentner jedes Jahr drei bis vier Monate dort verbringt und sich auch über pakistanische Zeitungen auf dem Laufenden hält.
Pakistan entstand 1947 durch Loslösung der vorwiegend muslimischen Gebiete von Indien. Es grenzt an Indien, Iran, Afghanistan und China. Nationalsprache ist Urdu, es gibt aber rund 50 gesprochene Sprachen. Zahlreiche Berge über sieben- und achttausend Meter, einer der längsten außerpolaren Gletscher, in den Tieflagen heißes trockenes Klima, ausgedehnte Wüstengebiete, Ausgrabungsfunde einer sehr alten Städtekultur – all das gehöre zu diesem spannenden und spannungsreichen Land.
Die Flüchtlinge seien eine Konsequenz aus einer Folge von Kriegen in der Gegend. Nach der Besetzung des Nachbar-lands Afghanistan durch die Russen hätten die USA und andere westliche Staaten die Volksmudschaheddin, aus denen später die Taliban entstanden, unterstützt und mit Waffen versorgt. Über fünf Millionen flüchteten vor den Kämpfen nach Pakistan. Nach Abzug der Russen aus Afghanistan hätten die Taliban dort die Macht übernommen. Seit dem Krieg der USA und der Alliierten gegen Taliban und Al-Qaida in Afghanistan habe es wieder eine Fluchtbewegung nach Pakistan gegeben, viele Talibankämpfer versteckten sich im Grenzgebiet und verbreiteten Terror gegen die Bevölkerung. Auch die Kämpfe der Armee gegen die Taliban in Pakistan hätten die Zivilbevölkerung zwischen alle Fronten geraten lassen. Das Rote Kreuz gehe derzeit von mehr als 2,3 Millionen Flüchtenden aus. Während Pakistan dringend Unterstützung zur Stabilisierung brauche, gebe es Hinweise, dass Indien die Taliban unterstütze, um Pakistan, mit dem es in ständiger Spannung lebt, zu destabilisieren.
Vielleicht, so Cheema, könnten Investitionen aus China in die Infrastruktur der pakistanischen Wirtschaft Aufschwung verleihen. Wenn die Asylsuchenden hier in Deutschland Gelegenheit zur Ausbildung bekämen und diese wahrnähmen, könne das nicht nur ihnen, sondern letztlich auch ihrem Land helfen.
Sehr informativ und berührend war auch ein Filmbeitrag, den die Pakistani zusammen mit Ehrenamtlichen gestaltet hatten, über das Land, seine Regionen und seine Kultur. Anschließend wurde es recht lebhaft: Die Pakistani brachten mit viel Herzblut die Musik ihrer Heimat zum Klingen, sangen ihre Lieder und führten ihre Tänze vor. Abgerundet wurde das Ganze mit einer kleinen, von Tahir in Deutsch gehaltenen Rede, in der er sich für die Neuffener Gastfreundschaft bedankte.
Die gelungene Auftaktveranstaltung der „Kultur-Küche“ soll vor Beginn des Ramadan im Juni mit einem syrischen Abend fortgeführt werden.

Nürtinger Zeitung

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